Welche Auswirkung hat Stress? Und warum wir in einem Teufelskreis sind…

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Stress ist im heutigen Alltag tatsächlich überall. Er beginnt bereits beim Aufstehen und mit dem obligatorischen Blick in den Email Posteingang. Und endet mit diversen Social Media Aktivitäten auf dem Smartphone kurz vorm Schlafengehen. Dass die Arbeit für die meisten ebenfalls immer fordernder und stressiger wird, kommt erschwerend hinzu. Einige kommen auf die Idee etwas dagegen tun zu wollen und fügen dadurch nur neue Stressoren hinzu: Eine Meditations-App, die einen daran erinnert, unbedingt und jetzt sofort zu meditieren, oder der Yoga Kurs um Punkt 18:00 Uhr den man nur pünktlich erreicht, wenn die Bahn sich nicht verspätet oder man direkt einen Parkplatz findet. Das Problem bei Stress ist nicht unbedingt die Stressreaktion an sich. Das Problem ist, dass sie bei vielen nicht mehr abklingt und chronisch wird. 

Chronischer Stress und seine Auswirkungen

Bei der Bewältigung der meisten Stresssituationen, die uns heutzutage begegnen, trägt die durch die Stressreaktion bereitgestellte Energie nicht zur Lösung unseres Problems bei. In einer Zeit, in der es zum guten Ton gehört, dem aufgebrachten Gegenüber keine Keule über den Schädel zu ziehen und in der man schief angesehen wird, wenn man schreiend davonrennt, staut sich die Energie in unseren Körpern an. Wir stehen „unter Strom“.

Tiere, die auf eine Gefahrensituation nicht mit Flucht oder Kampf sondern mit Erstarren reagieren, haben ein ähnliches Problem und eine erstaunliche Lösung dafür: sie schütteln den Stress ab. Wörtlich. Um wieder die volle Kontrolle über ihren Körper zu erlangen, wird durch Schütteln oder Zittern ein Teil der überschüssigen Energie verbraucht, der Rest wird „herausgerannt“. Beobachten kann man dies zum Beispiel bei Antilopen. Durch die Bewegung wird die Energie verbraucht und die Homöostase zum Teil wieder hergestellt. Außerdem erhält der Parasympathikus das Signal zur Einleitung der Erholungsphase.

Der Mangel an Bewegung ist einer der Faktoren, der Stress chronisch werden lassen kann. 

Das nächste Problem unseres Körpers, ist die höhere Anzahl von Stressoren. Noch ehe unser alarmiertes System wieder in den Normalzustand zurückkehren kann, beginnt eine neue Welle. Immer wenn der Parasympathikus versucht, wieder Ordnung in das Chaos zu bringen und die Mannschaft zu beruhigen, brüllt der Sympathikus „Alarm!“ und das Spiel beginnt von vorn. Beziehungsweise halt eben nicht „von vorn“. Kommt der nächste Stressauslöser bevor der Körper die Homöostase wiederherstellen konnte, schaukelt sich das System weiter hoch. Resultat ist, dass die Systeme aus dem Gleichgewicht geraten. Die Rückkopplungsschleifen, die bei zu hoher Konzentration von Transmittern und Hormonen eine weitere Produktion verhindern sollen, stumpfen ab und greifen nicht mehr. Infolgedessen entstehen hohe Cortisol-Spiegel ohne normale Tagesrhythmik, was Einfluss auf die circadiane Rhythmik und damit den Schlaf nimmt. Schlafmangel führt neben weiteren fatalen Folgen zu Müdigkeit – und Müdigkeit wieder zu Stress. Der Wiener Walzer von Stress und Schlaf beginnt und dreht sich im dreiviertel Takt.

Die Langzeitwirkungen von Cortisol machen sich im gesamten Organismus bemerkbar. Um den Blutzuckerspiegel aufrecht zu erhalten, greift das Cortisol auf alle Reserven des Körpers zurück. Sogar vor der Muskulatur und den Knochen macht es nicht Halt. Muskelschwund und Osteoporose können auftreten. Der dauerhaft hohe Blutzuckerspiegel kann eine Insulinresistenz und damit Diabetes auslösen. Das Immunsystem und Entzündungsprozesse werden durch Cortisol gehemmt. Außerdem führt Cortisol zu Veränderungen im Gehirn. Verbindungen zwischen Nervenzellen des präfrontalen Kortex und des Hippocampus werden abgebaut. Gedächtnisleistungen verschlechtern sich. Bluthochdruck führt zu einer Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems.

Irgendwann sind die Nebennieren nicht mehr in der Lage, die hohen Mengen Cortisol zu produzieren. Auf die hohen Belastungen eines Dauereinsatzes sind sie nicht ausgelegt. Sie stellen die Produktion von Cortisol ein. Man spricht von Nebennieren-Erschöpfung. Damit hat man zwar die oben beschriebenen Probleme schlagartig nicht mehr, dafür aber eine Reihe anderer. Zum Beispiel Müdigkeit, Unterzuckerung, Chronifizierung von Entzündungen und Allergien. Vom Regen in die Jauche.

Wie entkommt man dem Teufelskreis?

Um ehrlich zu sein: Ein einfaches Rezept gibt es nicht. Dafür ist dieses System viel zu komplex und Stress dominiert tatsächlich das gesamte Berufs- aber auch Privatleben der meisten Menschen heutzutage. Natürlich hat man selbst Einfluss darauf, welchem Beruf man hat, für welchen Arbeitgeber man seine Zeit opfert, welchen Hobbies man nachgeht, wie man Job, Familie und Freizeit unter einen Hut bringt, etc. Es ist das gesamte Umfeld, die Lebenssituation und die innere Einstellung. All das müsste man in Richtung weniger Stress optimieren.

Am „einfachsten“ ist es jedoch zu lernen, besser mit Stress umzugehen. Es gibt durchaus unterschiedliche Reaktionen auf Stress. Während die einen mit einem Schulterzucken auf einen Anschiss vom Chef reagieren, beschäftigt dies andere noch nach Wochen. 

Gibt es ein einheitliches Rezept gegen Stress, dass wir jedem uneingeschränkt zum Nachkochen empfehlen können? Leider nicht wirklich. Wenn Sie uns aber festnageln wollen:

Neben der offensichtlichen Empfehlung, Ihr Umfeld kritisch zu hinterfragen und eventuell umzustrukturieren, sollten Sie über Meditation nachdenken – wobei es gar keine „klassische“ Meditation sein muss. Meditative Zustände können Sie auch ganz ohne Meditation erreichen: beim Laubharken zum Beispiel. Es gibt unzählige Arten von Meditation und eben auch gezielte Meditation für Entspannung, gegen Sorgen und Ängste. Hierzu finden Sie auf Reenergizer.de noch weitere Informationen.


Quellen (Artikelserie “Stress Grundlagen”):

Janßen, S. & Hobacher, N. (2019). Die Reenergize-Formel – Der evolutionäre Baukasten für Energie und Glück (German Edition). Topicus.

Schöner Stress. Wir verteufeln ihn als Krankmacher, dabei hält er uns am Leben. Höchste Zeit, unser Bild zu korrigieren. Von Urs Willmann 

Elenkov, I.J. & Chrousos, G.P., (2002). Stress hormones, proinflammatory and antiinflammatory cytokines, and autoimmunityAnn N Y Acad Sci, 966, 290-303.

Elenkov, I.J., Wilder, R.L., Chrousos, G.P. & Vizi, E.S., (2000). The sympathetic nerve–an integrative interface between two supersystems: the brain and the immunesystemPharmacol Rev, 52 (4), 595-638.

Elaine Setiawan et al. (2015): Role of Translocator Protein Density, a Marker of Neuroinflammation, in the Brain During Major Depressive Episodes”, JAMA Psychiatry. 72(3):268-275

Rensing L (2015): Mensch im Stress: Psyche, Körper, Moleküle. Springer Spektrum

Het S (2009): Die Cortisolreaktion auf akuten psychischen Stress. Dissertationsschrift Universität Bochum

Kaluza G (2015): Gelassen und sicher im Stress. Springer Verlag


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