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Kurze Tage, lange Nächte. Oft ist es selbst zur Mittagszeit so trist und grau, dass man den Eindruck bekommt, es wäre bereits kurz vor Sonnenuntergang. Vielen schlägt die Winterzeit aufs Gemüt. Je nach Konstitution reicht die Bandbreite von ein wenig müde und niedergeschlagen bis hin zu einer ausgewachsenen Winterdepression.

Doch woran liegt das?

Warum ist der Winter für viele eine einzige Katastrophe?

Licht, Melatonin, Serotonin – hängt alles zusammen

Ein Tag hat 24 Stunden – und bis auf Lebewesen, die nie ans Tageslicht kommen (Tiefseebewohner zum Beispiel), sind alle auf diesen Rhythmus eingestellt. Der Zyklus wird von inneren Mechanismen gesteuert und ist am eindeutigsten am Schlaf-Wach-Rhythmus erkennbar. Einer der wichtigsten Taktgeber für den Rhythmus ist das Sonnenlicht. 

Trifft Licht auf die Netzhaut des Auges, wird im Gehirn die Bildung von Melatonin gehemmt. Die Produktion des stimmungsaufhellenden Serotonins hingegen wird angekurbelt.

Besonders das kurzwellige Licht (bläuliches Licht), das in der Mittagszeit vorherrscht, hat einen starken Einfluss. Das langwellige, rötliche Licht der Dämmerung hat einen deutlich geringeren Einfluss.

Sobald es dunkel wird, verschwindet die Hemmung der Melatonin-Bildung. Das dann produzierte Melatonin signalisiert dem Körper, dass es Zeit wird, schlafen zu gehen. Beim Durchschnittsmenschen ist der Melatonin-Spiegel etwa nachts um 3 Uhr am höchsten – wird es früher Dunkel, verschiebt sich alles nach vorne.

Melatonin wird aus Serotonin gebildet, das u.a. auch maßgeblich für unsere Stimmung verantwortlich ist. Viele Antidepressiva greifen deshalb in den Serotonin-Stoffwechsel ein: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Beispiel hemmen den Serotonin-Transporter. Dadurch bleibt das Serotonin länger im synaptischen Spalt – die allgemeine Stimmung verbessert sich.

Fehlt das Licht, passieren demnach gleich zwei Dinge, die an der Stimmung nagen:

Die Produktion von Melatonin steigt. Melatonin macht müde. Produziert wird es aus Serotonin, wodurch die Serotonin-Konzentration abnimmt. Das sorgt für depressive Verstimmungen. Ganz abgesehen davon wird über den Tag sowieso weniger Serotonin produziert, weil es weniger Tageslicht-Stunden gibt.

Unterm Strich geraten also vor allem Melatonin und Serotonin aus dem Gleichgewicht:

Im Winter ist auch tagsüber die Melatonin-Konzentration hoch, die von Serotonin niedrig. Was zu den typischen Symptomen der Winterdepression führt.

Was sind die Symptome einer Winterdepression?

Neben der abgedumpften Stimmung sind die Hauptsymptome der Winterdepression Antriebslosigkeit, ein höheres Schlafbedürfnis, ein geringeres Energieniveau und ein starker Appetit – vor allem auf Süßigkeiten. Vielleicht wurden die Weihnachtsplätzchen nur deshalb erfunden.

Alle Symptome sind demnach mit Melatonin und Serotonin erklärbar. Melatonin sorgt für die Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Und das fehlende Serotonin sorgt für den Rest.

Serotonin wirkt stimmungsaufhellend. Es macht uns gelassener und zufriedener. Außerdem reduziert es u.a. Kummer, Angstgefühle, Aggressivität und das Hungergefühl. Sinkt das Serotonin-Level passiert das genaue Gegenteil. Fertig ist der Winter-Blues. Verschärfen sich die Symptome und werden zur ernsten Belastung, handelt es sich um eine Winterdepression.

Hat der Winter-Blues einen evolutionsbiologischen Sinn?

Ehrlich gesagt kann ich keinen evolutionären Vorteil erkennen. Er wird aber diskutiert. Es gibt Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass es mal ein Überlebensvorteil war: Die Tage werden kürzer, die Kräfte werden geschont, indem viel geschlafen wird, und der höhere Appetit sorgt für eine Gewichtszunahme, damit der Körper wertvolle Energiereserven einlagert.

Ich habe keine Daten, aber eine Meinung dazu: Das Zusammenspiel von Licht, Serotonin und Melatonin ist natürlich sinnvoll, um die Aktivitätsphase an das Tageslicht zu koppeln.

Im Winter wird es jedoch schwieriger Nahrung zu finden: keine Pflanzen, wenig bis keine Deckung bei der Jagd, viele potenzielle Beutetiere im Winterschlaf oder in den Süden gezogen.

Wenn dann auch noch die Tage kürzer sind, sodass die Nahrungssuche in kürzerer Zeit erfolgen muss, wäre es ein großer Vorteil, wirklich wach zu sein, Energie zu haben und guter Stimmung zu sein. Auch der gesteigerte Appetit bringt wenig, wenn man nur wenig Nahrung finden kann.

Kurzum:

Ich sehe wirklich keinen Vorteil, sondern finde es eher bewundernswert, dass der Homo Sapiens trotzdem Regionen erobert hat, die weit vom Äquator und damit von den optimalen Lichtverhältnissen entfernt sind.

Wann wird es kritisch?

Unter einem Winter-Blues leiden viele Menschen. Er macht den Winter anstrengender und kräftezehrender – ist aber im Großen und Ganzen erträglich, wenn Sie sonst stabil sind. Kommen jedoch andere Faktoren hinzu, wie eine generelle Veranlagung für Depressionen oder eine hohe Stressbelastung, dann wird der Winter zur Bewährungsprobe.

Wenn Sie merken, dass Sie sich zunehmend zurückziehen, in Gedankenspiralen festhängen, nicht mehr aus dem Bett kommen oder sich zu nichts mehr aufraffen können, sollten Sie etwas unternehmen. Wenn Sie sich nicht allein aus der Stimmung herauskämpfen können, suchen Sie sich bitte Hilfe.

Was können Sie gegen den Winter-Blues tun?

In erster Linie geht es darum, die verstellte innere Uhr wieder korrekt einzustellen. Sie müssen so viel Licht wie möglich abbekommen, um das Melatonin loszuwerden.

Die Serotonin-Produktion können Sie auch unabhängig vom Licht ankurbeln, indem Sie Ihren Kreislauf in Schwung bringen und so Ihrem Körper signalisieren, dass er jetzt aktiv zu sein hat. Am besten gleich morgens und dann immer wieder, wenn Sie merken, dass Sie müde werden. Meine persönlichen Tipps, mit denen ich den Winter-Blues bezwinge, finden Sie in einem weiteren Artikel.

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Woher kommt der Winter-Blues?

Kurze Tage, lange Nächte. Oft ist es selbst zur Mittagszeit so trist und grau, dass man den Eindruck bekommt, es wäre bereits kurz vor Sonnenuntergang.

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